blinded by the night

von Der ravende Reporter

Wolfgang Amadeus Mozart, Michael Jackson und der als XXYYXX musizierende Marcel Everett teilen ein gemeinsames Schicksal – alles Wunderkinder. Mozart und andere klassische Komponisten wie Beethoven waren noch Opfer gieriger Rabeneltern, die sie domestizierten, um von ihnen zu profitieren. Sie wurden gezüchtet, um ihre Kindheit beraubt und obendrein ungewöhnlich früh unter die Erde gebracht. Sie fielen der allgemeinen Bewunderung anheim, obgleich sie eigentlich Mitleid verdient hätten. Nach der Popularisierung der Musik instrumentalisieren nun die Massenmedien in Personalunion mit der Plattenindustrie pubertierende und postpubertierende Talente.


Gehyped wird der aus Orlando stammende XXYYXX derzeit wie kein Zweiter, weil er gerade einmal 16 Jahre auf dem Buckel hat. Gehyped werden sollte er aber einzig und allein wegen seiner Musik, einer Musik, an der sich die Geister scheiden, die alles und jeden in eine Schublade schieben. Trip Hop? Future Garage? Post Dupstep? Sogar mit neu-rotischen Etiketten wie Chill Wave, Witch Step und Drug Tune ist sie gelabelt worden. Im Interview mit dem Interview Magazine blamiert XXYYXX die Kritiker, indem er seinen Sound nonchalant als Experimentell Bass beschreibt und allen Definitionsspekulationen einen Riegel vorschiebt. Entsprechend gibt er auf die Frage, wie man den perfekten Blunt baut, keine magische Formel, sondern profan zu Protokoll: “The trick is getting the weed even.” Marcel Everett scheint selbst high auf dem Boden geblieben zu sein.


Auch den viel zitierten Vergleich mit James Blake wischt er vom Tisch. “James Blake is a pianist! He’s also a singer-songwriter. His whole album is singing. I mean, there aren’t even any lyrics in my songs!” Abgesehen von den Chipmunk-Stimmen und anderen gefilterten Vocalsamples ist auf seinen 2012 releaseden Alben “XXYYXX” und “Mystify” tatsächlich nichts dergleichen zu hören. Seine Songs serviert er episch ohne Pathos, trotz Dissonanzen melodisch, melancholisch und mit einer Prise Ironie. Hater hält er für die “biggest fans”, nur nicht fähig ihre Liebe angemessen auszudrücken. Eifersüchtig sind für ihn aber nicht nur die anderen. Er hasste Grime, bevor er Grime gehört und bis er den Hass als Eifersucht durchschaut hat. Marcel Everett ist reflektiert, XXYYXX kongenial. Es scheint, als müsste man sich keine Sorgen um das Wunderkind machen.


Am Freitag spielt er bei der von beatrausch mitpräsentierten Factory im Marie Antoinette. Gemeinsam mit den genauso verspielten Bassfabrikanten Dam Mantle, Giraffage und Finkobot. Der aus Glasgow kommende Tom Marshall a.k.a. Dam Mantle war bereits bei der letzten Factory dabei, hat einen Remix für niemand geringeren als Gold Panda produziert und mit seinen intelligenten Beats auf sich aufmerksam gemacht. Außerdem ist er alt genug, um auf den kleinen Marcel aufzupassen.
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