Schwimmbad-Schwindel

von his name is raver rave

Muss man viele Worte über das Stattbad verlieren? Das stillgelegte Schwimmbad in der Weddinger Gerichtsstraße ist schon seit ein Paar Jahren ein Fixpunkt in der Berliner Clublandschaft. Da das trotz des erheblichen Abstands zu den pulsierenden Vergnügungsmeilen der Hauptstadt passiert ist, muss irgendeine Geheimzutat im Spiel sein. In der Tat ist das Rezept so einfach wie bestechend: Oben House, unten Techno. Internationales Booking trifft auf gute Residents. Ja und es sind die Katakomben eines stillgelegten Schwimmbads. Was dabei rauskommt, schmeckt eigentlich immer! So auch an diesem Samstag, wenn Detroit Swindle mit sächsischem Frischfleisch und Detroit Legenden im Wedding gastieren.

Nach einer Reihe von EPs auf legendären Labels für europäischen Deep House wie Freerange, Tsuba und Dirt Crew (oder einem Remix auf dem House-Label WOLF) stellen Detroit Swindle jetzt ihr Debutalbum dem Berliner Publikum vor. Treibende Beats mit mehr als einem Hattip an Moodyman und Co. Shufflige Hi-Hats, Pianostabs, peitschende Claps, die ganze Chose. Die beiden Niederländer bringen den Funk und feiern wie Tiere. Es gibt nicht viele Verschnaufpausen aber um die soll es um 6 Uhr morgens ja auch nicht gehen.

Als wär’s nichts, ist dann noch der große Rick Wade zu Gast was die beiden Schwindler jetzt schon verlegen und nervös machen sollte. Ohne Richard Lee Wade Jr. und sein Label Harmonie Park, fliegt der Detroit Swindle auf – das lässt sich wohl ohne Zweifel sagen. Und wenn diese es zu weit treiben, ist der Erfinder von dem was wir heute unter wahrer Deepness im House verstehen zur Stelle. Der Amerikaner hat in den 90ern Underground Deep (!) House nach vorne getrieben wie wohl kein anderer – außer vielleicht Theo und Kenny – und ist nach einem kurzen Tauchgang seit Anfang der Nuller wieder beeindruckend produktiv. Zuletzt hat er den wunderschönen Track „Sweet Life“ herausgebracht aber wahrscheinlich hab ich schon während ich das hier schreibe schon wieder zwei Releases von Big Daddy Rick verpasst.

Den Weg zum süßen Leben bereitet Alexander Dorn aka Credit 00 von Uncanny Valley aus Dresden. Der zaubert mit seinen Synthesizern viel Farbe aus dem Dunkel und macht selber weirden Techno zwischen Detroit und Italo. Seine Sets können aber auch ganz anders. Man muss sich überrraschen lassen.

Der Bunker Floor macht seinen Namen alle Ehre und ist wohl einer meiner Lieblingsfloors in der ganzen Stadt. Niedrig, breit und heiß ist das Ungetüm und bietet einen unvergleichlichen Vibe zwischen DJ und Publikum zu treibendem, düsteren Techno. Zu den Residents Andreiko und Michael Klein (serious! Techno!) gesellt sich als Special Guest der großartige Delta Funktionen. Der ehemalige Wahlberliner, der jetzt wohl in Zagreb in Kroatien wohnt, dürfte den Meisten für Techno a’la James Ruskin, Surgeon and Regis aka Berghaintechno bekannt sein. Wie er auf seinem Album für das niederländische Qualitätslabel Delsin und in all seinen DJ-Sets beweist, ist sein Geschmack wesentlich breiter als seine Techno-EPs nahelegen würden.

Heute keine Verlosung. Aber ausdrückliche Beatrausch-Empfehlung!

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